Die wichtigsten Effektpedale für Gitarre & Bass - Anfänger Guide

Welche Effektgeräte gibt es und wofür sind sie gut?

Normalerweise befassen wir uns auf unserer Seite mit Multieffektgeräten für Gitarristen und Bassisten. Doch natürlich steht dir als Gitarrist auch nach wie vor die Welt der herkömmlichen Effektpedale offen. Ob du dein Multieffektgerät durch zusätzliche Effektpedale ergänzen willst oder dir der Sinn nach einem vollständigen Setup an Bodentretern steht - die große Auswahl kann für Anfänger etwas überfordernd sein. In diesem Artikel zeigen wir dir daher, welche Arten von Effektpedalen es gibt, um dir den Einstieg etwas zu erleichtern. Außerdem geben wir dir unsere Einschätzung, welche Effektgerättypen für Anfänger zu den ersten Anschaffungen gehören sollten und auf was du beim Kauf achten solltest.

Distortion & Overdrive

Distortion und Overdrive, auch als Fuzz, Verzerrer oder Screamer bekannt, sind die Art von Effektpedal, an die wohl die meisten denken, wenn von "Gitarreneffekt" die Rede ist. Diese Effektart gibt es bereits seit den frühen 1960ern und ist für alle Gitarristen ein Must-have, die Blues, Rock oder Metal spielen wollen.

Overdrives simulieren die Art von Verzerrung, die beim zu lauten Aufdrehen eines Röhrenverstärkers entsteht. Bei einem echten Verstärker führt das zu laute Betreiben zum sogenannten Clipping, das heißt, die Wellenform des Sounds wird an den Spitzen abgeschnitten und dadurch komprimiert. Unterschieden wird hierbei zwischen softem und hartem Clipping. Während beim harten Clipping der Sound flach abgeschnitten wird, wird er beim Soft Clipping lediglich abgerundet, was eine differenziertere und dynamischere Verzerrung zur Folge hat.

Wenn bei Pedalen von Distortion die Rede ist, dann handelt es sich in der Regel um Hard Clipping, während Overdrive ausschließlich Verzerrung mittels Soft Clipping bezeichnet. Dank dieser Eigenschaften ist Overdrive vermutlich eher etwas für dich, wenn du Blues oder "seichteren" Rock spielen möchtest. Steht dir der Sinn hingegen nach Metal, dann solltest du besser zu einem Distortion-Pedal greifen, da hartes Clipping in der Regel einen deutlich brutaleren Sound erzeugt.

Reverb

Reverb ist ein weiterer Effektklassiker. Die Übersetzung ins Deutsche verrät, worum es sich handelt: Hall. Reverb-Pedale geben deinem Sound eine Räumlichkeit, die heutzutage kaum ein Gitarrist noch missen möchte. Besonders bei unverzerrten oder nur leicht verzerrten Songs lässt ein Reverb-Effekt deinen Sound deutlich epischer klingen.

Mittels Hall kannst du verschiedene Räumlichkeiten simulieren. Dazu haben die meisten Reverb-Pedals mehrere Drehregler, um den Sound zu verfeinern. Der wichtigste ist sicher "Size". Über diese Einstellung bestimmst du die Größe des simulierten Raums. Soll es klingen, als würdest du in einer Kirche spielen oder gar in einer riesigen Konzerthalle? Reverb wird in der Effektkette übrigens meist erst ganz zum Schluss angewendet.

Unserer Meinung nach sollte ein Hall-Effekt auch in einem Anfänger-Setup nicht fehlen. Kaum ein anderer Effekt kann deinen Sound so stark verbessern. Für unverzerrte Genres ist Reverb quasi unumgänglich, doch auch bei Rock und Metal macht sich ein wenig Hall meistens gut.

Du möchtest dich genauer über Hall-Effekte informieren oder ein Reverb-Pedal kaufen? Wir haben einen Artikel über die 5 besten Reverb-Pedale geschrieben, in welchem du dir einen guten Überblick verschaffen kannst.

Delays

Delay-Pedale fügen deinem Spiel ein anpassbares Echo hinzu. Dein Sound wird mit kurzer Verzögerung (daher der Name "Delay") erneut wiedergegeben. Ein Delay kann gespielten Tönen ein längeres Sustain geben, wodurch sie im Mix hervorgehoben werden. Sowohl Reverb als auch Delay sind im Grunde genommen Echo-Effekte. Beim Reverb ist das Echo so schnell, dass du es nicht direkt hörst. Beim Delay handelt es sich hingegen um ein hörbares Echo. Die beiden Effektarten schließen sich aber nicht gegenseitig aus, sondern können sich im Gegenteil sogar gut ergänzen.

Brauchst du als Anfänger sofort zu Beginn ein Delay? Unserer Meinung nach nicht zwingend, aber es ist eine Anschaffung, die du in Erwägung ziehen solltest.

Kompressoren

Kompressoren schränken den Frequenzbereich deines Sounds ein und lassen ihn dadurch gleichmäßiger und kompakter klingen. Durch einen Kompressor werden leise Sounds lauter und laute Sounds leiser, er verringert also den Dynamikbereich. Ein Kompressor kann dir beispielsweise helfen, wenn du einen unverzerrten Part spielen willst, dieser aber im Mix deiner Band untergehen würde. Ein Kompressor wird üblicherweise sehr weit am Anfang deiner Effektkette eingesetzt, meist direkt am Eingang. Viele Kompressor-Pedals ermöglichen es dir außerdem, das Sustain deines Sounds zu erhöhen.

Unserer Meinung nach brauchst du für den Einstieg in die E-Gitarre keinen Kompressor. Auch wenn Kompressoren sicher eine sinnvolle Erfindung sind, so solltest du am Anfang dein Geld lieber in grundlegende Effekte wie Distortion oder Reverb stecken.

Modulatoren: Chorus, Flanger, Phaser

Modulatoren verändern die Wellenform des Sounds. Das Resultat ist ein meist stark veränderter Klang, der Ähnlichkeiten mit einem Synthesizer hat. Die gängigsten Modulationseffekte sind Chorus, Flanger und Phaser.

Beim Chorus wird das Eingangssignal um ein oder mehrere in der Tonhöhe leicht geshiftete Kopien ergänzt. Der Effekt ist ähnlich wie bei einem menschlichen Chor: Da nicht jede Stimme gleich klingt, ergänzen sich die einzelnen Stimmen zu einem deutlich beeindruckenderen Gesamtklang.

Beim Flanger wird das Eingangssignal mit einem ständig veränderten Delay versehen und dieses manipulierte Signal dann in das Original gemischt. Dieser Effekt ist charakteristisch für den Sound der 70er.

Beim Phaser klingt der Sound, als würde er abwechselnd näherkommen und sich dann wieder entfernen. Ein Phaser-Pedal verschiebt das Eingangssignal in der Phase von 0 bis 365 Grad und mischt das Resultat in das unverfälschte Signal.

Ob du gleich am Anfang deiner Gitarristenkarriere eines oder mehrere Modulationspedale brauchst, können wir dir leider nicht definitiv beantworten. Das hängt sehr stark davon ab, welche Bands und Genres du magst und spielen möchtest. Die meisten Gitarristen dürften am Anfang aber mit grundlegenden Effekten wie Distortion/Overdrive und Reverb besser bedient sein, wenn das Budget nicht für beides reicht.

Wahwah

Das Wahwah ist typisch für den Sound von Jimi Hendrix, erfreut sich aber auch bei vielen anderen bekannten Gitarristen wie Slash, Eric Clapton und Kirk Hammett großer Beliebtheit. Ein Wahwah-Pedal ist stets als ein Expression-Pedal umgesetzt, über das sich der Effekt komfortabel per Fuß variieren lässt. Klanglich verändert ein Wahwah den Sound so, dass er fast ein wenig wie die menschliche Stimme klingt. Ist das Pedal in der Ausgangsstellung, fungiert es als ein Lowpass-Filter. Wird es hingegen durchgedrückt, dann ist es stattdessen ein Highpass-Filter. Diese Veränderung von Low- zu Highpass-Filter erzeugt den charakteristischen "weinenden" Klang.

Wie bei den Modulationseffekten hängt es stark von deinen Band- und Genre-Vorlieben ab, ob du dir gleich am Anfang ein Wahwah-Pedal zulegen solltest. Da das Wahwah wahnsinnig beliebt ist, stehen die Chancen gut, dass du es ohnehin früher oder später in dein Rig aufnehmen wirst. Von daher gilt für uns: Ein Wahwah-Pedal ist zwar für den Anfang kein absolutes Muss, aber du machst mit einer frühen Anschaffung sicher nichts falsch und wirst wahrscheinlich viel Freude an dem Gerät haben.

Equalizer

Ein Equalizer hilft dir dabei, bestimmte Frequenzen in deinem Sound hervorzuheben. Dadurch ermöglicht er dir beispielsweise, eine Gitarre mit zu wenig Höhen aufzupeppen oder aber zu prominente Frequenzen leiser zu drehen. Ein Equalizer wird meist direkt vor den Verstärker gesetzt und kann einen großen Einfluss auf den Gesamtklang haben. Aber auch direkt nach der Gitarre kannst du einen Equalizer sinnvoll in die Effektkette integrieren, nämlich dann, wenn du mit dem eigentlichen Sound deiner Gitarre nicht ganz zufrieden bist und diesen etwas anpassen willst.

Ein Equalizer-Pedal ist keine zwingende Anschaffung für den Einstieg, denn meistens kannst du auch mit dem Tone-Regler an deiner Gitarre und den Equalizer-Reglern am Verstärker schon einiges rausholen. Trotzdem ist ein Equalizer mittelfristig etwas, was du in deinem Rig nicht wirst missen wollen, weil er dir eine ungeahnte Flexibilität im Klang ermöglicht. Wenn dein Budget es hergibt, kannst du dir daher ruhig auch schon am Anfang einen Equalizer zulegen. Achte bei der Anschaffung darauf, wie viele Frequenzbänder der Equalizer verändern kann. Je mehr Frequenzbänder, desto granularer kannst du deinen Sound anpassen.

Looper

Ein Looper ermöglicht dir das komfortable Aufzeichnen und wiederholte Wiedergeben von Riffs oder Song-Teilen. Als Solo-Künstler kannst du so beispielsweise bei Auftritten deinen Song Schicht für Schicht aufbauen und klingst am Ende wie eine ganze Band, obwohl du alleine auf der Bühne stehst. Konkret funktioniert das so, dass du eine anfängliche Spur aufnimmst, über die du dann nach und nach mittels sogenannter Overdubs zusätzliche Parts drüberspielst. Ein Looper ist so gesehen kein Effekt im eigentlichen Sinne, sondern ein ausgeklügeltes Werkzeug, das deine Möglichkeiten sehr stark erweitert.

Ein Looper-Pedal ist aus unserer Sicht zwar kein Muss für den Anfang, es kann aber sehr sinnvoll sein. Gerade wenn du als Einsteiger noch keine Bandkollegen hast, mit denen du üben kannst, kann dir ein Looper ein Gefühl dafür geben, wie es ist, mit anderen zu spielen. Und nicht zuletzt ist ein Looper eine sehr simple Möglichkeit, eigene Song-Ideen festzuhalten und zu entwickeln, ohne dich in eine komplizierte Digital Audio Workstation einarbeiten zu müssen.

Gut zu wissen: Viele Looper haben auch eine Drum Machine im Lieferumfang!

Du möchtest dich genauer über Looper informieren oder eine Loop Station kaufen? Wir haben eine Vergleichsseite über Looper erstellt, auf du dir einen guten Überblick verschaffen kannst. Dort findest du auch viele Erfahrungsberichte zu Geräten, die wir getestet haben.

Volume/Expression-Pedal

Ein Volume-Pedal fügt deinem Setup vor allem eines hinzu: Komfort. Klar, auch dein Verstärker und deine Gitarre haben Lautstärkeregler - trotzdem ist ein Volume-Pedal eine sinnvolle Anschaffung. Nicht nur, weil du darüber per Fuß die Lautstärke regeln kannst, was an sich ja schon eine super Sache ist, sondern auch, weil du die Lautstärke so zu einem Ausdruck deines Spiels machen kannst.

Ein Expression-Pedal sieht im Prinzip genauso aus wie ein Volume-Pedal, erfüllt aber eine andere Funktion. Mit einem Expression-Pedal kannst du verschiedene Eigenschaften anderer Effekte in ihrer Intensität variieren. Das heißt aber eben auch, dass ein Expression-Pedal nur in Kombination mit einem kompatiblen Effektgerät sinnvoll ist.

Unserer Erfahrung nach brauchst du am Anfang kein Expression-Pedal. Ein Volume-Pedal kann hingegen eine sehr sinnvolle Investition sein, da es einfach vieles komfortabler macht. Ein Muss sind für Einsteiger aber beide Geräte nicht.

Fazit

Hoffentlich konnten wir dir mit unserem Artikel eine erste Orientierungshilfe geben. Falls du auf ein klassisches Rig und nicht auf ein Multieffektgerät setzen möchtest, dann würden wir dir für den Anfang die Anschaffung eines Distortion- oder Overdrive-Pedals (je nach Musikgeschmack), eines Reverb-Pedals, eines Volume-Pedals und eventuell eines Wahwahs empfehlen. Steht dir der Sinn nach 70er-Jahre-Rock, dann solltest du auch über ein Chorus-, Flanger- oder Phaser-Pedal nachdenken. Mittelfristig wirst du wohl aus jeder der hier vorgestellten Kategorien mindestens ein Pedal in dein Setup einbauen wollen.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen subjektiven Erfahrungsbericht. Wir haften nicht für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der angegebenen Informationen auf denen von uns verlinkten Seiten. Bestimmte Inhalte, die auf dieser Website angezeigt werden, stammen von Amazon. Diese Inhalte werden ‚wie besehen‘ bereitgestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.

Autor: Gitarren-Effekte Team
Veröffentlicht am: 06/06/2022
Zuletzt aktualisiert: 07/24/2022

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