Mooer GE 300 - Erfahrungsbericht

Gutes Multieffektgerät mit Tone Capture und Gitarren-Synthesizer

Mit dem GE 300 versucht der chinesische Hersteller Mooer, der bisher vor allem für sehr preiswerte Geräte bekannt geworden ist, sich in einem höherpreisigen Marktsegment für Multieffektgeräte zu etablieren. Was bekommst du bei Mooer für die rund 600 Euro (Stand Februar 2022) des GE 300 geboten? Wir zeigen es dir in unserem Erfahrungsbericht zum im Sommer 2019 erschienenen neuen Flaggschiff-Modell von Mooer.

Funktionsumfang und technische Daten

Das GE 300 präsentiert sich in einem 41 x 21 x 6,2 Zentimer großen und drei Kilogramm schweren Gehäuse, das oben aus schickem, gebürsteten Aluminium besteht. Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen die giftgrüne Seite des Geräts, aber diese Farbe kennen wir ja bereits von anderen Mooer-Geräten. Auf der Oberseite des GE 300 findet sich ein relativ großes farbiges Display (LCD), das aber leider keine Touchbedienung ermöglicht. Stattdessen werden die Werte am Display über mehrere Drehregler direkt daneben angepasst.

Die Effektkette wird beim Multieffektgerät von Mooer durch eine lange Reihe LED-Knöpfe repräsentiert, die im aktivierten Zustand grün leuchten und über die sich die Einstellungen des jeweiligen Effekts aufrufen lassen. Für die Bedienung per pedes hat das GE 300 zehn mit LED-Ringen versehene Fußtaster, deren Belegung sich anpassen lässt. Ansonsten dürfen sich deine Füße bei dem Gerät noch auf ein integriertes Expression-Pedal freuen.

Ein Feature-Highlight ist beim Mooer GE 300 zweifelsohne die vom Hersteller "Tone Capture" getaufte Technologie, die dir das Abgreifen des Sounds anderer Geräte ermöglicht. Dazu gehören beim GE 300 nicht nur Cabinets, sondern auch Verstärker, Effekte und sogar die Gitarre selbst. Über die passende App, Mooer Studio, lassen sich auch Impulse-Response-Dateien von Drittanbietern aufspielen, für die das Gerät 20 Speicherplätze zur Verfügung stellt.

Zusätzlich zu seinen Effekten und Verstärkern hat das GE 300 auch noch ein Stimmgerät dabei sowie einen Looper, der bis zu 30 Minuten deines Spiels aufnehmen kann. Und auch ein sehr ungewöhnliches Feature hat Mooer seinem Multieffektgerät spendiert: ein dreistimmiges Synthesizer-Modul, bei dem nicht etwa MIDI-Geräte als Eingabe fungieren, sondern die Gitarre selbst.

Anschlüsse und Erweiterbarkeit

Das Mooer GE 300 offeriert auf seiner Stirnseite eine ganze Reihe nützlicher Ein- und Ausgänge. Auf der Eingangsseite findet sich hier neben dem Instrumenteneingang, der sich per Schalter von Gitarre auf Line umschalten lässt, auch ein Aux-Eingang in Form einer kleinen Klinke. Ausgegeben werden kann der Sound des Geräts mittels eines Stereo-XLR-Ausgangs (links/mono + rechts), für den es auch einen passenden Ground/Lift-Schalter gibt. Zusätzlich stehen ein weiterer Stereo-Klinkenausgang (6,3 mm, links/mono + rechts) sowie ein 6,3-mm-Kopfhörerausgang bereit.

Externe Geräte lassen sich beim GE 300 per Stereo-Send- und -Return-Anschluss verbinden. Für zusätzliche Konnektivität sorgen ein USB-B-Anschluss sowie ein MIDI-Eingang und -Ausgang, von denen Letzterer auch als MIDI Thru dient. Der USB-Anschluss ermöglicht dir das Verbinden des Geräts mit einem PC und der kostenlos verfügbaren Mooer-Studio-App und lässt sich auch als USB-Audiointerface verwenden.

Ansonsten gibt es auf der Stirnseite noch einen Anschluss für ein 9-V-Netzteil, das glücklicherweise im Lieferumfang enthalten ist und dank eines Power-Kippschalters auch nicht andauernd angeschlossen und wieder entfernt werden muss. Ein Batteriebetrieb ist bei dem Gerät nicht vorgesehen.

Hier noch einmal alle verfügbaren Anschlüsse in der Übersicht:

  • 1x Eingang (große Klinke mit Schalter Guitar/Line)
  • 1x Aux-Eingang (kleine Klinke)
  • 1x Stereo-Ausgang (große Klinke, links/mono + rechts)
  • 1x Kopfhörerausgang (große Klinke)
  • 1x Stereo-XLR-Ausgang (links/mono + rechts) mit Ground/Lift-Schalter
  • 1x Stereo-FX-Loop Send/Return (jeweils links/mono + rechts)
  • 1x MIDI-Eingang und -Ausgang (Thru)
  • 1x Pedalanschluss
  • 1x USB-B-Anschluss
  • 1x 9-V-Netzteilanschluss mit Power-Button (Netzteil im Lieferumfang)

Integrierte Verstärker, Cabinets und Effekte

Mit seinen 108 mitgelieferten Verstärkersimulationen findet sich beim Mooer GE 300 für jeden Geschmack etwas Passendes. Abgerundet wird das Angebot durch stolze 164 Effekte sowie 43 Cabinets in Form von Impulsantworten. Hast du einmal eine Einstellung gefunden, die dir gefällt, so kannst du deine Kreation in einem der 256 User-Presets ablegen und jederzeit wieder abrufen.

Auch wenn die fest angeordneten Effektkettenknöpfe auf der Oberseite des Geräts vielleicht etwas anderes vermuten lassen, so kannst du die einzelnen Effektstationen beim Mooer GE 300 komplett frei anordnen. Über die beleuchteten Knöpfe lassen sich die einzelnen Effektblöcke aktivieren und deaktivieren sowie deren Einstellungsmenüs auf das Display des Geräts zaubern.

Bei den Amps sind eigentlich alle üblichen Verdächtigen von Marshall, Fender und Co mit im Angebot. Auch die Effekte bieten einiges, allerdings bekommst du an dieser Stelle bei den Mitbewerbern oft sowohl qualitativ als auch quantitativ etwas mehr geboten. Gut gefällt uns am Mooer-Gerät besonders die Tone-Capture-Funktionalität, mit der sich der Sound des Geräts im Prinzip komplett an den eigenen Wunschsound anpassen lässt - vorausgesetzt natürlich, dass du auch die entsprechenden physischen Geräte griffbereit hast oder passende Patches im Internet findest.

Ein sehr positives Alleinstellungsmerkmal des Geräts von Mooer ist der bereits erwähnte Synthesizer, der als Effektblock umgesetzt wurde. Dieser bietet mehrere Oszillatoren, für die sich die Wellenformen ändern lassen und eine große Bandbreite an Synthsounds ermöglichen.

Klanglich gefällt uns das Mooer GE 300 durchaus gut. Sowohl die Verstärkersimulationen als auch die zahlreichen Effekte bieten einen ordentlichen Sound, mit dem sich arbeiten lässt. Allerdings gefällt uns der Sound der Semiprofi-Multieffektgeräte von Boss oder Line6 in derselben Preisklasse doch noch eine Spur besser.

Bedienung

Die Bedienung des GE 300 ist zwar relativ schnell erlernt, könnte unserer Meinung nach aber durchaus noch angenehmer gestaltet sein. Natürlich muss auch heute nicht alles einem iPhone nachempfunden sein, aber ein Touchscreen wäre bei einem Gerät mit so vielen Einstellungsmöglichkeiten eine wesentliche Erleichterung gewesen. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn auch die Bedienung vieler anderer Effektgeräte der letzten Jahre ist leider eher altbacken und das GE 300 ist in dieser Hinsicht sicher nicht alleine. Das Bedienkonzept des GE 300 besteht wie bei vielen Mitbewerbern aus einem Display und einer Gruppe Drehregler, über die sich die Werte auf dem Display anpassen lassen.

In Sachen GUI-Design haut uns das GE 300 leider auch nicht unbedingt vom Hocker. Die digitale Benutzeroberfläche des Geräts ist zwar funktionell, aber alles andere als hübsch anzusehen. Ähnliches gilt auch für das Mooer Studio, die mitgelieferte Einstellungssoftware für den Computer. Es wirkt alles ein wenig so, als wäre das Design von Programmierern oder Ingenieuren entworfen worden und nicht von Designern.

Das auch online im PDF-Format verfügbare Benutzerhandbuch ist mit 100 Seiten recht ausführlich und außerdem ganz gut bebildert. Zu jedem Effektblock ist hier direkt im Handbuch im jeweiligen Abschnitt des Blocks in Tabellenform niedergeschrieben, was das Lesen des Handbuchs vereinfacht, da du nicht ständig zu den Anhängen blättern musst. Allerdings wären Komplettlisten der verfügbaren Effekte und Verstärker an einer zentralen Stelle zusätzlich schön gewesen.

Fazit

Das GE 300 ist ein durchaus überzeugender Einstieg von Mooer in ein höherpreisiges Segment des Multieffektgerätemarkts. Der Sound ist gut, die Auswahl an Effekten und Verstärkern ist ebenso ordentlich wie die Anzahl der verfügbaren Anschlussmöglichkeiten. Sehr positiv hervorzuheben ist unserer Meinung nach die flexibel einsetzbare Tone-Capture-Funktionalität, die sich nicht auf Cabinets beschränkt. Auch mit dem Synthesizer-Modul kann Mooer uns beim GE 300 überzeugen, ein Feature, das uns in dieser Art so noch bei keinem anderen Multieffektgerät über den Weg gelaufen ist.

Kleinere Schwächen zeigen sich für uns beim GE 300 vor allem in Sachen Bedienung. Diese hat zwar keine sehr steile Lernkurve, macht uns aber auch keine große Freude. Dafür macht Mooer es beim integrierten Looper besser als die Mitbewerber: Kaum ein anderes Multieffektgerät bietet so viel Aufnahmekapazität bei seinem integrierten Looper.

Wir können dir das GE 300 empfehlen, wenn dir das Abgreifen des Sounds deines kompletten Equipments wichtig ist und du einen brauchbaren Synthesizer für deine Gitarre suchst. Kannst du mit diesen beiden Features jedoch nicht viel anfangen, dann bist du eventuell mit den Geräten von Boss und Line6 etwas besser bedient und solltest dir zumindest einmal das Line6 Pod GO oder das Boss GT-100 näher ansehen.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen subjektiven Erfahrungsbericht. Wir haften nicht für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der angegebenen Informationen auf denen von uns verlinkten Seiten. Bestimmte Inhalte, die auf dieser Website angezeigt werden, stammen von Amazon. Diese Inhalte werden ‚wie besehen‘ bereitgestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.

Autor: Gitarren-Effekte Team
Veröffentlicht am: 28.02.2022
Zuletzt aktualisiert: 28.02.2022

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