Nux MG-30 - Erfahrungsbericht

Gut klingendes Budget-Multieffektgerät für Fortgeschrittene

Mit dem MG-30 hat der chinesische Hersteller Nux im März 2021 sein neuestes Flaggschiff-Multieffektgerät vorgestellt, das vieles noch etwas besser machen soll als das im Vorjahr erschienene MG-300. Was kann ein Multieffektgerät, das sich scheinbar an fortgeschrittene Gitarristen wendet, für nur knapp über 200 Euro wirklich taugen? Wir stellen dir das bisher günstigste Gerät in dieser Kategorie in unserem heutigen Erfahrungsbericht vor und versuchen, diese Frage zu beantworten.

Funktionsumfang und technische Daten

Das Nux MG-30 präsentiert sich in einem 31,3 x 16,6 x 5,4 cm großen Gehäuse mit gebürsteter Aluminium-Optik auf der Oberseite und simplem Schwarz am übrigen Gerät. Mit einem Gewicht von 1,5 Kilogramm ist es schwerer als das MG-300 und auch ein gutes Stück größer, was sicher nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass Nux dem MG-30 im Vergleich zum Vorgänger ein deutlich größeres Display und einen dritten Fußschalter spendiert hat. Das Gehäuse des MG-30 macht alles in allem einen deutlich robusteren Eindruck als das des Vorgängers.

Neben dem 4-Zoll-LC-Display und den drei Fußschaltern gibt es auf der Oberseite des MG-30 ein Expression-Pedal, acht kleine Knöpfe mit LED für Effektkategorien und einen großen Drehregler für die Master-Lautstärke. Das Display ist leider kein Touchscreen - stattdessen werden Werte auf dem Display über vier kleine Drehregler direkt unter der Anzeige festgelegt. Die Navigation erfolgt über einen weiteren großen Drehregler rechts neben dem Display, der gleichzeitig auch wie ein Joystick zu seinen vier Seiten geneigt werden kann.

Unter der Haube werkeln beim MG-30 zwei DSPs, die für eine extrem geringe Latenz von lediglich 2 Millisekunden sorgen. Mit 110 Dezibel hat das MG-30 eine sehr große Dynamic Range für ein Gerät seiner Preisklasse. Die Wandlung der Signale von analog zu digital und umgekehrt erfolgt darüber hinaus mit 32 Bit und ist daher auf dem aktuellen Stand der Technik.

Neben dem eigentlichen Gerät legt Nux der Packung des MG-30 nicht nur ein passendes 9-V-Netzteil und ein USB-Kabel bei, sondern auch den Doppelfußschalter NMP-2, mit dem sich die Fußbedienung des Geräts erweitern lässt. Das MG-30 hat auf der Stirnseite neben dem Netzteilanschluss dankenswerterweise auch einen Power-Schalter, sodass es nach Benutzung nicht händisch vom Strom getrennt werden muss.

Neben den Grundfunktionen aus Verstärkern und Effekten gibt es beim MG-30 auch noch einen Drumcomputer und einen Looper, wie es mittlerweile quasi schon Standard bei Multieffektgeräten geworden ist. Beide sind durchaus brauchbar, wenngleich auch eher rudimentär gehalten. Der Sound des Drumcomputers konnte uns leider nicht vollends überzeugen, zum Üben dürfte er aber genügen.

Anschlüsse und Konnektivität

In Sachen Anschlüssen bringt das MG-30 nicht viel mehr als das Allernötigste mit. Es gibt einen Instrumentenanschluss für Gitarre oder Bass, einen 3,5-mm-Aux-Eingang, einen Kopfhöreranschluss im Format kleine Klinke und einen Stereo-Ausgang in Form zweier 6,3-mm-Klinken, von denen der linke Kanal auch als Mono-Ausgang fungiert. Ferner gibt es einen Anschluss für ein externes Pedal oder Fußschalter (z. B. den beigelegten NMP-2) sowie einen USB-Anschluss, der sowohl als USB-Audiointerface mit Class Compliance fungiert, als auch eine Verbindung zur von Nux kostenlos zur Verfügung gestellten QuickTone-Editor-Software ermöglicht, die es für Windows und Mac gibt.

Die einzige eventuelle Überraschung bei einem Gerät dieser Preisklasse ist das Vorhandensein einer FX Loop mit Send- und Return-Anschluss. Darüber lässt sich beispielsweise ein Verstärker per Vierkabel-Methode einbinden. XLR- oder MIDI-Anschlüsse gibt es beim MG-30 leider keine.

Zusammengefasst stehen dir beim Nux MG-30 diese Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Instrumenteneingang (6,3 mm Klinke)
  • Aux-Eingang (3,5 mm Klinke)
  • Kopfhörerausgang (3,5 mm Klinke)
  • Stereo-Ausgang (L/Mono + R, 6,3 mm Klinke)
  • FX Loop mit Send- und Return-Anschluss
  • Anschluss für externe Fußschalter (6,3 mm Klinke)
  • USB-Anschluss (USB-Kabel im Lieferumfang)
  • 9-V-DC-Netzteilanschluss (Netzteil im Lieferumfang)

Verstärkersimulationen und Effekte

Das Nux MG-30 setzt bei seiner Ausstattung an Verstärkersimulationen ganz klar auf Klasse statt auf Masse. Mitgeliefert werden lediglich 30 Simulationen bekannter und beliebter Verstärker. Darunter befinden sich 25 E-Gitarrenverstärker, drei Bassverstärker und zwei Modelle für das Simulieren akustischer Gitarren.

Die Effekte reihen sich in eine Effektkette mit elf Stationen ein, die innerhalb der Kette verschoben werden können. Die gesamte Effektkette wird auf dem Display angezeigt. Acht der Stationen sind hingegen auch auf der Oberseite des Geräts durch eigene physische Buttons vertreten, die durch eine integrierte LED anzeigen, ob der jeweilige Effekt an- oder abgeschaltet ist.

Folgende Stationen gibt es in der Effektkette (die Stationen mit Sternchen haben physische Buttons):

  • WAH: Wah-Wah-Effekte und Octave-Shifter
  • CMP*: Compressor-Pedals
  • GATE: Noisegates
  • MOD*: Modulatoren (z. B. Phaser, Flanger, Tremolo, Rotary)
  • EQ*: Equalizer (z. B. 6-Band und 10-Band)
  • EFX*: Distortion und Overdrive
  • AMP*: Verstärker
  • IR*: Cabinet-Impulse-Response
  • S/R: Send/Return (FX Loop)
  • DLY*: Delay-Effekte
  • RVB*: Reverb-Effekte

Die Impulse-Responses gliedern sich in acht Gitarren-Cabinets, acht Bass-Cabinets und drei Akustikgitarren-Impulse-Response-Dateien. Für die mitgelieferten IRs gibt es acht unterschiedliche Mikrofone zur Auswahl, die in drei Positionen aufgenommen haben. Ferner lassen sich über die QuickTone-Software auch IRs von Drittanbietern auf das Gerät laden.

Klanglich sind sowohl die Verstärkersimulationen als auch die Effekte unserer Meinung nach ein deutlicher Schritt nach vorne im Vergleich zum MG-300. Im Vergleich zu den etwas teureren Geräten von Mooer macht der Klang ebenfalls eine gute Figur. Die meisten Verstärker klingen beim MG-30 noch einen kleinen Tick besser als beim anderen chinesischen Budget-Hersteller. Der Fokus auf das Wesentliche hat sich hier scheinbar für Nux durchaus ausgezahlt. Für den Preis von knapp über 200 Euro kann sich der Sound definitiv hören lassen, auch wenn er eher nicht mit deutlich teureren Modellen von Boss und Line 6 mithalten kann.

Die Bedienung

Die Bedienung des MG-30 gestaltet sich unserer Meinung nach direkt und ist schnell erlernbar. Wie bei vielen anderen Multieffektgeräten besteht das Bedienkonzept aus einem großen Display und mehreren Drehreglern, mit denen sich die angezeigten Werte ändern lassen. Etwas ungewöhnlich, aber durchaus stimmig ist beim MG-30 der vermeintliche Drehregler rechts des Displays, der sich bei genauerer Betrachtung als eine Art drehbarer Joystick entpuppt. Dieser "Drehjoystick" ist für die Navigation durch die einzelnen Screens und Einstellungen zuständig.

Besonders gut gefällt uns an der Bedienung des MG-30, dass alle wichtigen Effektstationen über eigene physische Knöpfe erreicht werden können. Dadurch entfällt umständliches Herumgeklicke wie bei einigen anderen Multieffektgeräten. Auch was die Bedienung per Fuß angeht, muss sich das Nux MG-30 nicht verstecken. Zwar wirken auf den ersten Blick lediglich drei Fußtaster auf der Oberseite des Geräts nicht gerade sehr üppig, zusätzlich gibt es aber auch noch das integrierte Expression-Pedal und die Möglichkeit, einen Doppelfußschalter zusätzlich anzuschließen, der im Lieferumfang bereits mit dabei ist. Über die Fußtaster auf dem Gerät kannst du direkt den Looper und die Drum Machine aktivieren.

Einen guten Eindruck macht auf uns übrigens auch die kostenlos für das MG-30 verfügbare QuickTone-Editor-Software. Diese erlaubt komfortables Einstellen aller Effektparameter. Die Oberfläche der Software lehnt sich dabei sehr an gängige DAW-Plugins an und stellt Verstärker und Pedale wie ihre physischen Entsprechungen bildlich dar. Über den USB-Anschluss lässt sich das MG-30 auch direkt an neuere iPads mit USB-C anschließen und dort ohne weitere Umschweife in den gängigen DAWs wie Garageband fürs Recording verwenden, da es sich um ein USB-Audiointerface mit Class Compliance handelt.

Nicht so gut gefällt uns beim MG-30 hingegen die Dokumentation. Genau genommen gibt es lediglich ein Handbuch mit läppischen 14 Doppelseiten Umfang, das du dir auch vorab schon auf der Herstellerseite als PDF-Datei ansehen kannst. Das "Handbuch" gibt es aber nur auf Englisch und es ist wohl eher als Quick-Start-Guide mit zwölf Seiten zu sehen, denn ab Seite 13 gibt es bloß denselben Text noch einmal in Chinesisch. Das MG-30 hat eine relativ simple Bedienung, keine Frage. Trotzdem erwarten wir bei einem Gerät für über 200 Euro ein vernünftiges Handbuch und eine Auflistung aller verfügbaren Verstärker und Effekte. Letzteres suchten wir beim Nux MG-30 leider vergeblich.

Fazit

Das Nux MG-30 ist ein Budget-Multieffektgerät für Fortgeschrittene, das nach deutlich mehr klingt, als der Preis es vermuten lassen würde. Für unser Empfinden schlägt der Sound des Geräts das bisherige MG-300 deutlich und gefällt uns auch noch etwas besser als der Sound der etwas teureren Geräte von Mooer. Die Bedienung des MG-30 gefällt uns ebenfalls sehr gut. Auch lobenswert ist das Vorhandensein einer FX Loop und dass der Hersteller einen externen Doppelfußtaster gleich zusätzlich mitliefert. Der Sound der Drum Machine ist fürs Üben brauchbar, aber nichts Besonderes. Die gelieferte Dokumentation von Nux ist verbesserungswürdig.

Das Nux MG-30 ist dann etwas für dich, wenn du besseren Sound als bei Einsteiger-Multieffektgeräten suchst, aber dein Budget für teurere Geräte von Boss oder Line 6 einfach nicht ausreicht. Das Nux MG-30 überzeugt hier mit einem kaum schlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis und kann zumindest in Sachen Sound durchaus mit den etwas teureren Geräten von Mooer konkurrieren.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen subjektiven Erfahrungsbericht. Wir haften nicht für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der angegebenen Informationen auf denen von uns verlinkten Seiten. Bestimmte Inhalte, die auf dieser Website angezeigt werden, stammen von Amazon. Diese Inhalte werden ‚wie besehen‘ bereitgestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.

Autor: Gitarren-Effekte Team
Veröffentlicht am: 21.12.2021
Zuletzt aktualisiert: 21.12.2021

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