Line6 Pod GO - Erfahrungsbericht

Bessere Preis-Leistung als bei den Helix Multieffektgeräten?

Die Helix-Reihe von Line6 dürfte wohl den meisten Gitarristen ein Begriff sein. Mit seinem im Juni 2020 erschienen POD Go lässt Line6 seine Pod-Serie wieder aufleben und vereint den herausragenden Sound von Helix-Geräten mit der einfacheren Bedienung der PODs - und das zu einem deutlich geringeren Preis. Welche Abstriche musst du dabei im Vergleich zur Helix-Reihe in Kauf nehmen und was gibt es noch über das neue Multieffektgerät zu wissen? Wir zeigen es dir in unserem Erfahrungsbericht.

Funktionsumfang und technische Daten

Das POD Go hat ein Gehäuse im Floorboard-Stil mit Expression-Pedal. Die Abmessungen des Geräts betragen 35,6 x 22,5 x 9,5 cm und dank seines geringen Gewichts kann es noch recht bequem im Rucksack transportiert werden. Neben 128 vorinstallierten Presets können 128 eigene Presets auf dem POD Go abgespeichert werden.

Line6 hat dem POD Go ein mit 4,3 Zoll relativ großes, hochauflösendes Farb-LCD spendiert. Neben dem Expression-Pedal und dem Display finden sich auf der Oberseite des Geräts acht Fußtaster mit Leuchtringen, fünf kleine Drehregler für das Einstellen von Werten auf dem Display sowie ein größerer Drehregler für die Lautstärke. Zwei weitere Drehregler neben dem Display mit jeweils zwei zugehörigen Knöpfen sind für die Navigation der Einstellungen gedacht.

Neben eigentlichen Effekten hat das POD Go auch noch einen Looper und ein Stimmgerät integriert. Die Stromversorgung erfolgt beim POD Go über ein Netzteil, das im Lieferumfang enthalten ist. Ein Batteriebetrieb ist bei dem Gerät leider nicht möglich, was bei der Größe aber auch nicht verwundert.

Ein- und Ausgänge

Gegenüber der Helix-Serie bietet das Line6 POD Go etwas weniger Anschlüsse. MIDI- und XLR-Anschlüsse hat das Gerät beispielsweise nicht. Die Anschlüsse an der Rückseite des POD Go sind fast ausschließlich im Format großer Klinken gehalten. An Eingängen gibt es hier lediglich eine 6,3-mm-Klinkenbuchse für den Anschluss deiner Gitarre und eine weitere große Klinke, die den Anschluss von externen Fußtastern ermöglicht.

Über eine FX-Loop lassen sich per Send und Return externe Verstärker oder Effektgeräte in die Effektkette des POD Go integrieren. Der Hauptausgang des Geräts besteht aus zwei großen Klinken, die zusammen als Stereoausgang verwendet werden können oder aber auch als Mono-Ausgang über den linken Kanal und für den Anschluss von Aktivboxen vorgesehen sind. Wird nur die linke Klinkenbuchse verwendet, kann ein symmetrisches Kabel verwendet werden, was einem den Einsatz einer DI-Box ggf. erspart.

Für den Anschluss deines Verstärkers steht eine weitere große Klinke bereit, daneben lassen sich dann noch Kopfhörer mit 6,3-mm-Klinke anschließen.

Zusätzlich zu den Ein- und Ausgängen hat das POD Go an seiner Rückseite noch einen USB-Anschluss im B-Format, einen Netzteilanschluss für das mitgelieferte Netzteil sowie einen Ein/Aus-Schalter.

Noch einmal zusammengefasst gibt es beim POD Go also die folgenden Anschlussmöglichkeiten:

  • Gitarreneingang (6,3 mm Klinke)
  • Expression- bzw. Fußtaster-Anschluss (6,3 mm Klinke)
  • FX-Loop (6,3 mm Klinke Send, 6,3 mm Klinke Return)
  • Hauptausgang (Links symmetrisch/Mono
    + Rechts (unsymmetrisch) 6,3 mm Klinke)
  • Verstärkerausgang (6,3 mm Klinke)
  • Kopfhörerausgang (6,3 mm Klinke)
  • USB-Anschluss (USB Typ B)
  • Netzteilanschluss (9 V DC)

Die Effekte und Amps

Das Line6 POD Go hat mit über 300 Effekten und Verstärkersimulationen eine üppige Auswahl integriert. Die meisten dieser Effekte sind direkt aus der Helix-Reihe übernommen worden. Der Sound ist beim POD Go unserer Meinung nach herausragend gut - kein Wunder, denn schließlich kommt bei dem Gerät im Prinzip die gleiche Technik zum Einsatz wie bei den doppelt so teuren Helix-Geräten, allerdings mit abgespeckten Einstellungsmöglichkeiten.

Zu den Effekt- und Verstärkerhighlights gehören für uns unter anderem:

  • Fender Bassman (Normal/Bright)
  • Fender Deluxe Reverb (Normal/Vibrato)
  • Fender Twin Reverb (Normal/Vibrato)
  • Orange OR80
  • Marshall JTM-50
  • Mesa/Boogie Mark IV (I/II/Lead)
  • Hermida Zendrive
  • Ibanez TS808 Tube Screamer
  • BOSS DS-1 Distortion
  • Pro Co Rat
  • Fender Vibratone

Alle verfügbaren Effekte kannst du dir schon vor dem Kauf im online bereitgestellten Handbuch für das Line6 POD Go anschauen.

Die Effektkette besteht beim POD Go aus den folgenden Stationen:

  • Wah-Effekt
  • Lautstärke
  • Vier Effektstationen
  • Verstärker oder Preamp
  • Cabinet bzw. IR (Impulse Response)
  • Equalizer

Die vier Effektstationen kannst du frei mit einem der zahlreichen Effekte belegen. Die anderen Stationen sind zwar vorgegeben, die Reihenfolge lässt sich jedoch ändern und einzelne Glieder der Effektkette können natürlich auch abgeschaltet werden. Parallele Stränge in der Effektkette unterstützt das Multieffektgerät hingegen nicht.

Looper und Stimmgerät

Das POD Go hat neben seiner Hauptfunktionalität auch einen integrierten Looper dabei. Der Looper ist hierbei Teil der Effektkette und lässt sich auf einer der vier frei belegbaren Effektstationen in einem Preset platzieren. Eine solche Looper-Instanz kann dann bei Normalgeschwindigkeit 20 Sekunden in Stereo oder 40 Sekunden in Mono aufzeichnen, während sie bei halber Geschwindigkeit 40 Sekunden in Stereo und 80 Sekunden in Mono aufnimmt. Die Looper-Instanzen in der Effektkette lassen sich wie alle anderen Effekte auch einem der Fußschalter zuweisen und dann bequem im Stehen bedienen.

Als weitere Zusatzfunktion bietet das POD Go von Line6 einen Tuner. Dieser kann durch längeres Drücken des "TAP/TUNER"-Fußschalters aktiviert werden.

Die Bedienung

Das Line6 POD Go kann unserer Meinung nach nicht nur mit überaus gutem Sound punkten, sondern muss sich auch in Sachen Bedienung nicht verstecken. Das hochauflösende Display zeigt viele nützliche Informationen auf einmal an und die meisten Einstellungen sind recht schnell zu erreichen. Das Bedienkonzept ist intuitiv genug, sodass die Bedienungsanleitung nur selten konsultiert werden muss.

Die auf dem Display unten angezeigten Werte werden über fünf Drehregler unterhalb des Displays angepasst. Das Display hat zwei wesentliche Anzeigemodi, die sich über eine "VIEW"-Taste rechts neben dem Display umschalten lassen:

Die "Live-Seite" zeigt hierbei eine Übersicht an, mit was die Fußtaster des Geräts im Stomp-Modus belegt sind und welches Preset gerade gewählt ist. Zwischen den Presets kannst du in dieser Ansicht mithilfe des obersten Drehreglers rechts neben dem Display wechseln.

Auf der "Editierseite" hingegen lassen sich, wie der Name bereits vermuten lässt, Einstellungen an der Effektkette vornehmen. Der oberste Drehregler neben dem Display wird in dieser Ansicht in Kombination mit dem "ACTION"-Button direkt daneben zum Anwählen einer Station in der Effektkette benutzt. Ein Drücken des Drehreglers führt zum Deaktivieren des angewählten Effekts.

Die Fußschalter im unteren Abschnitt der Geräteoberfläche haben eine mehrfache Belegung, zwischen der durch Drücken des "MODE"-Schalters umgeschaltet werden kann. Im ersten Modus kannst du hierbei den Speicherplatz und den jeweiligen Snapshot anwählen, im zweiten Modus fungieren die Fußtaster als Ein- oder Ausschalter bestimmter Effekte.

Über den großen Drehregler links vom Expression-Pedal lässt sich die Lautstärke des Hauptausgangs einstellen. Ein Drücken des Knopfes erlaubt das separate Regeln der Lautstärke des Kopfhörerausgangs. Das Expression-Pedal kann übrigens nicht nur Wah- oder andere Effekte regeln, sondern auch für die Lautstärkeanpassung verwendet werden. Zwei kleine LEDs neben dem Pedal geben Auskunft darüber, in welchem Modus sich das Pedal gerade befindet. Der Anschluss von externen Fußschaltern oder Pedalen ist über die entsprechende Buchse am Gerät möglich.

PC-Verbindung und Dokumentation

Das Line6 POD Go lässt sich über die USB-B-Buchse an der Rückseite mit einem PC oder Mac verbinden. Über diese Verbindung lässt sich einerseits das Gerät bequem über die kostenfreie POD-Go-Edit-Software verwalten, andererseits kann es auch als USB-Audio-Interface verwendet werden. Auch das Senden von MIDI-Befehlen ist über die USB-Verbindung möglich.

Über die POD-Go-Edit-Software lassen sich übrigens auch zusätzliche Impulse-Response-Patterns (IR), also Amp Simulationen, auf dem Gerät installieren. Passende IRs gibt es auf dem Line6-Marketplace käuflich zu erwerben.

Das Handbuch des POD Go deckt auf über 40 Seiten alles ab, was du bei der Bedienung des Multieffektgeräts wissen musst. Gut gefallen uns bei der Dokumentation die anschaulichen Vergleiche und Illustrationen, die dem Benutzer beim Verständnis der Gerätefunktionen helfen können. Für die schnelle Übersicht stellt Line6 online auch ein Cheatsheet für das POD Go bereit. Da die Bedienung des Geräts unserer Meinung nach allerdings ohnehin recht intuitiv und einfach ist, dürftest du nur selten in die Verlegenheit kommen, die Bedienungsanleitung lesen zu müssen.

Fazit

Das POD Go vereint wie bereits eingangs erwähnt im Prinzip den legendären Sound der Helix-Serie von Line6 mit der einfachen Bedienung der POD-Serie. Unserer Ansicht nach ist diese Kombination Line6 bei POD Go sehr gut gelungen. Zum halben Preis bekommst du beim POD Go den Helix-Sound in einem kleineren Format mit etwas weniger Einstellmöglichkeiten.

Wer als Gitarrist ein begrenztes Budget hat und trotzdem nicht auf Profi-Sound verzichten möchte, für den ist das POD Go von Line6 eine hervorragende Wahl. Abstriche musst du hier gegenüber dem Helix oder Helix LT nicht beim Sound machen, sondern vor allem bei der Anzahl der verfügbaren Anschlüsse und den Einstellmöglichkeiten der Effektkette.

Für die meisten fortgeschrittenen Gitarristen dürfte das POD Go allerdings mehr als ausreichend sein. Positiv aufgefallen ist uns hier, dass die Bedienung des POD Go an einigen Stellen etwas simpler und runder wirkt als bei der teureren Helix-Verwandschaft. Die Anzahl der Effekte und Amp-Simulationen ist beim POD Go riesig und unserer Meinung nach qualitativ durchweg hochwertig.

Insgesamt können wir das POD Go jedem empfehlen, der beim Sound keine Kompromisse eingehen will, aber sich die Ausgabe von über 1000 oder mehr Euro für Helix-Geräte nicht leisten kann oder will.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen subjektiven Erfahrungsbericht. Wir haften nicht für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der angegebenen Informationen auf denen von uns verlinkten Seiten. Bestimmte Inhalte, die auf dieser Website angezeigt werden, stammen von Amazon. Diese Inhalte werden ‚wie besehen‘ bereitgestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.

Autor: Gitarren-Effekte Team
Veröffentlicht am: 2021-01-24
Zuletzt aktualisiert: 2021-01-24

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